Aus einer italienischen Predigt im ausgehenden 15. Jahrhundert weiß man, dass das Tarot zu diesem Zeitpunkt bereits so verbreitet war, dass ein Franziskanermönch dagegen Stellung bezog. Das Glücksspiel war im allgemeinen nicht gerne gesehen, war es doch angeblich vom Teufel erfunden und seine Spieler dem Teufel geweiht. Ganz besonders verwerflich aber war das Glücksspiel mit den „Trumpfkarten“ (d.i. Tarot), denn die Trumpfkarten bildeten auch weltliche Herrscher und Kirchenfürsten wie den Papst ab – beschämend für Christenmenschen. Zu diesem Zeitpunkt war das Kartenspiel bereits seit etwa 100 Jahren bekannt – seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts gibt es schriftliche Zeugnisse über das Kartenspielen allgemein. Durch die schlechte Quellenlage, die zwar Spielkarten nachweist, aber nicht vermerkt, ob in den Spielkarten auch Trümpfe vorhanden waren, weiß man nur wenig über das erste Aufkommen von Tarotkarten.

Auch der Name Tarot gibt wenig Aufschlüsse über die Geschichte des Spiels. Ins Deutsche wurde der Name aus dem Französischen übernommen, denn tarot ist der französische Begriff für ein Spiel mit 78 Blatt. Nach Frankreich wiederum scheint das Spiel aus Italien gekommen zu sein, wo es tarocco hieß. Interessant ist in dem Zusammenhang, dass dieser Name sich aber erst durchsetzte, als das Spiel selber bereits bekannt war – zunächst sagte man einfach nur carte de trionfi zu dem Spiel, „Karte mit Trümpfen“. Ein erster schriftlicher Nachweis ist ein Rechnungsbuch des Hofes von Ferrara aus dem Jahre 1442, das Trumpfkarten aufführt. Erst 1516 findet man einen Eintrag als tarocco in einem anderen Rechnungsbuch aus Italien.
Der sicherste Nachweis für die Herkunft und Existenz des Tarot sind die Karten selber, die zum Teil wundervolle Kunstwerke en miniature sind. Zum Teil mit Blattgold hinterlegt, phantasievoll und elegant gearbeitet, spiegeln diese frühesten erhaltenen Karten aus der Zeit zwischen 1420 und 1450 die Kunst der frühen italienischen Renaissance. 250 dieser wunderbaren Karten sind heute noch erhalten, die aus verschiedenen Spielen stammen, aber zusammen als die „Visconti-Spiele“ bekannt sind, weil sie alle aus dem Besitz des Herzogs von Mailand und seiner Verwandten stammen.

Italien und vor allem die Städte Bologna, Ferrara und Mailand waren Zentren des Tarotspiels. Wer aber die Karten dieses so beliebten Spiels schuf, ist heute nicht bekannt. Auf keiner Karte sind Signaturen oder Initialen vermerkt, ebenso fehlen Unterlagen wie Rechnungen, Briefe oder Auftragsbücher, die Auskunft über die Künstler der Karten geben könnten.

So wenig man über die Herkunft des Tarots selber weiß – sehr sicher ist die Geschichte seiner esoterischen Auslegung belegt. Zwischen dem Auftauchen der Karten am Anfang des 15. Jahrhunderts und bis Ende des 17. Jahrhunderts war das Tarot in Europa verbreitet, sogar angeblich in Frankreich verbreiteter als das Schachspiel. Dann sank der Stern dieses Spiels, um Ende des 18. Jahrhunderts in einer Art Renaissance wieder aufzuleben. Von nun an wurde das Tarot zunehmend als Instrument für esoterische Auslegungen benutzt. Man hoffte einen okkulten Wissensschatz darin zu finden – ein Wunsch, der dem Tarot bis heute anhängt und nicht wenige Schriftsteller zum Schreiben über dieses geheimnisumwitterte Medium inspiriert!